Die Idee

 

Man übertrug ihr die Leitung eines Instituts für Sonderschullehrer in Rom mit einer angeschlossenen Schule, in der sie auch selbst intensiv unterrichtete Rückblickend schreibt sie dazu: "Diese zwei Jahre Praxis geben mir meinen ersten und wahren Anspruch in bezug auf Pädagogik" (Montessori, M.: Die Entdeckung des Kindes, Freiburg 1980, S.27). Es gelang Montessori zum Erstaunen aller, einige ihrer geistig zurückgebliebenen Kinder so zu fördern, dass diese bei öffentlichen Prüfungen mit nichtbehinderten Kindern, die eine normale Schule besuchten, mithalten konnten.

Montessori denkt nun darüber nach, ob die bei ihrer Arbeit mit behinderten Kindern gewonnenen Erkenntnisse nicht auch für die Erziehung und Bildung normal entwickelter Kinder genutzt werden könnten. Sie gibt die Leitung des Instituts und der Schule auf und beginnt — obwohl schon eine bekannte und anerkannte Persönlichkeit — ein Zweitstudium, vor allem der Anthropologie, und führt in Schulen verschiedene Untersuchungen durch. Eine Rolle mag dabei auch gespielt haben, dass das Verhältnis zu ihrem Kollegen Dr. Montesano, dem Vater ihres 1898 unehelich geborenen Sohnes Mario, endgültig zerbrochen war. Nach diesem Zweitstudium lehrte Montessori seit 1904 an der Universität Rom pädagogische Anthropologie.